Mabon: Bedeutung, Rituale & Herbst-Tagundnachtgleiche
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Wenn Licht und Dunkel sich die Waage halten
Einmal im Jahr passiert etwas Stilles und gleichzeitig Tiefgründiges: Tag und Nacht sind exakt gleich lang. Kein Übergewicht, kein Zuviel. Nur dieser eine Atemzug der Natur, der nach Balance ruft. Dieser Moment trägt einen Namen: Mabon, das Jahreskreisfest zur Herbst-Tagundnachtgleiche, das in 2026 um den 22. September herum gefeiert wird.
Viele kennen die keltischen Feste kaum noch aus dem Alltag. Dabei berühren sie etwas, das tiefer liegt als jede Kalenderseite. Dieser Artikel erklärt, was Mabon bedeutet, woher es kommt, welche Symbole und Rituale es begleiten – und warum dieses Fest gerade für Frauen, die sich in der Begleitung anderer bewegen, eine besondere Einladung bereithält.
Was ist Mabon? Herkunft und Bedeutung des Jahreskreisfests
Mabon ist das achte und letzte Fest im Jahreskreis, das zweite Erntefest nach Lughnasadh und der Gegenpol zur Frühjahrs-Tagundnachtgleiche Ostara. Es liegt astronomisch exakt an dem Punkt, an dem die Sonne den Himmelsäquator überquert und die Nächte beginnen, länger zu werden als die Tage.
Der Name „Mabon" ist vergleichsweise jung. Erst in den 1970er-Jahren prägte der amerikanische Autor Aidan Kelly diesen Begriff für das Herbstfest – angelehnt an Mabon ap Modron, eine Figur aus der walisischen Mythologie. Mabon ap Modron bedeutet wörtlich „Sohn der Mutter" und steht für das göttliche Kind, das kurz nach seiner Geburt entrissen wird und in der Unterwelt verweilt. Seine Befreiung ist eine Geschichte über Erneuerung, Dunkelheit und die Kraft der Gemeinschaft.
Diese mythologische Wurzel macht Mabon so vielschichtig: Es ist kein Fest des fröhlichen Abschieds, sondern eine ehrliche Begegnung mit dem, was geht. Mit dem, was reif ist, losgelassen zu werden.
Die Energie von Mabon: Ernte, Dankbarkeit und das Loslassen
Das Hauptthema von Mabon ist die Ernte – nicht nur im wörtlichen Sinne. Gemeint ist die Ernte des eigenen Lebens: Was habe ich in diesem Jahr gesät? Was ist gewachsen? Was darf ich jetzt einbringen und was muss ich loslassen, weil es nicht mehr trägt?
Diese Fragen klingen einfach. Wer sie sich ehrlich stellt, merkt schnell, wie viel Tiefe darin steckt.
Mabon lädt dazu ein:
Dankbarkeit für das zu üben, was entstanden ist, auch wenn es anders aussieht als geplant
Bilanz zu ziehen ohne Selbstkritik, sondern mit dem Blick einer weisen Zeugin
Loszulassen, was die innere Ernte belastet: Erwartungen, Erschöpfung, alte Rollen
Den Rückzug nach innen zu begrüßen, statt ihm zu widerstehen
Gleichgewicht zu ehren – zwischen Geben und Empfangen, Tun und Ruhen, Licht und Schatten
Gerade Frauen, die viel geben und begleiten, kennen das Ungleichgewicht. Mabon erinnert daran: Auch Du darfst empfangen. Auch Du darfst Pause machen.
Der Apfel als heiliges Symbol von Mabon
Kein anderes Symbol verdichtet die Energie von Mabon so klar wie der Apfel. Er ist reif genug zum Pflücken, süß und gleichzeitig herb. Schneidet man ihn quer durch, zeigt sich im Inneren ein Pentagramm – das fünfzackige Zeichen der fünf Elemente, das in vielen spirituellen Traditionen als heilig gilt.
Der Apfel steht für:
Weisheit, die durch Erfahrung entsteht
Heilung, die aus der Natur kommt
Balance zwischen Süße und Bitterkeit des Lebens
Das Verborgene, das erst sichtbar wird, wenn man tiefer schaut
In der griechischen Mythologie wachsen goldene Äpfel im Garten der Hesperiden. In der nordischen Tradition hütet Göttin Iðunn die Äpfel der Unsterblichkeit. In der keltischen Überlieferung ist Avalon, die „Insel der Äpfel", ein Ort der Heilung und des Übergangs. Mabon ist die Zeit, diese Symbolik zu leben – nicht nur zu lesen.
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Rituale für Mabon: Wie Du das Fest feiern kannst
Rituale müssen nicht aufwendig sein. Was zählt, ist die Bewusstheit, mit der Du handelst. Hier sind einige Wege, Mabon zu begehen:
Dankbarkeitsritual:
Schreibe drei Dinge auf, für die Du in diesem Jahr dankbar bist. Nicht die offensichtlichen, sondern die leisen. Was hat Dich überraschend gestärkt? Verbrenne den Zettel als Zeichen, dass Du diese Dankbarkeit freigibst – nicht verdrängt, sondern verwandelt.
Apfel-Ritual:
Schneide einen Apfel quer durch und betrachte das Pentagramm im Inneren. Halte inne. Was siehst Du, wenn Du tiefer schaust – in Dein eigenes Leben, in diese Jahreszeit? Iss den Apfel bewusst und langsam als Akt der Verbindung mit der Natur.
Cacao-Ritual:
Bereite eine Tasse Kakao mit Intention zu. Kakao öffnet das Herz und lädt zur Stille ein. Sitz damit, ohne Ablenkung, und lass die Fragen des Festes in Dir landen: Was ist meine Ernte? Was darf gehen?
Frauenkreis zu Mabon:
Lade Frauen ein und schafft gemeinsam einen heiligen Raum. Teilt Eure Ernten des Jahres, Eure Dankbarkeit und das, was Ihr loslassen wollt. Frauenkreisarbeit zu den Jahreskreisfesten hat eine lange Tradition – und sie entfaltet besondere Kraft, wenn mehrere Frauen gemeinsam in denselben Rhythmus eintreten.
Die Dunkelheit willkommen heißen:
Sitz an einem Abend ohne Licht – nur eine Kerze. Lass die Stille sprechen. Mabon ist auch eine Einladung, die wachsende Dunkelheit nicht zu fürchten, sondern als nährenden Raum zu begreifen.
Mabon im Jahreskreis: Warum dieser Rhythmus trägt
Der Jahreskreis ist kein esoterisches Konstrukt, sondern ein uraltes System, das Menschengemeinschaften über Jahrtausende hinweg getragen hat. Er spiegelt die Zyklen der Natur und die Zyklen im Inneren. Wer bewusst mit diesen acht Festen lebt, entwickelt ein anderes Verhältnis zur Zeit: weniger gehetzt, mehr geerdet.
Für Frauen, die andere Frauen begleiten – sei es als Doula, Yogalehrerin, Heilpraktikerin oder Frauenkreisleiterin – ist dieses Wissen besonders wertvoll. Es gibt dem eigenen Wirken einen Rahmen, der über den einzelnen Termin hinausgeht. Es verbindet die eigene Arbeit mit etwas Größerem.
Häufige Missverständnisse rund um Mabon
Mabon wird manchmal mit Halloween oder Samhain verwechselt. Das ist verständlich, weil beide im Herbst liegen und beide mit Dunkelheit assoziiert werden. Aber sie sind verschieden:
- Mabon (um den 22. September) ist das Gleichgewichtsfest, die Ernte, die Balance
- Samhain (31. Oktober / 1. November) ist das Fest des Todes und der Ahnen, der Übergang in die dunkelste Zeit
Ein weiteres Missverständnis: Mabon sei „nur" ein neuerfundenes Fest ohne echte historische Basis. Das stimmt teils. Der Name ist jung, die Praxis des Herbstfeierns jedoch nicht. Erntedankfeste existieren in nahezu jeder Kultur weltweit – Mabon ist die moderne Sprache für eine uralte Erfahrung.
Mabon und die weibliche Kraft: Tiefer eintauchen
Die acht Jahreskreisfeste sind keine abstrakten Konzepte. Sie sind Tore – Einladungen, tiefer in die eigene Natur einzutauchen. Jedes Fest hütet Wissen aus verschiedenen Priesterinnenlinien: keltisch, avalonisch, nordisch, hinduistisch und mehr.
Wer diese Tore bewusst durchschreitet, verändert sich. Nicht dramatisch, sondern so, wie Jahreszeiten sich verändern: stetig, tiefgreifend und unumkehrbar.
Wenn Du spürst, dass Mabon mehr als ein Datum für Dich ist – wenn Dich die Fragen der Ernte, des Loslassens und des weiblichen Zyklus wirklich berühren – dann könnte die Ausbildung „Acht Tore" von Akasha Ayurveda ein nächster Schritt sein. Sie führt Dich durch alle acht Jahreskreisfeste, begleitet von Wissen aus alten Traditionen, Ritualanleitungen und einer lebendigen Frauengemeinschaft.